MDR-FORSCHUNG
Forschung · Prävention · Dekolonisierung
Unsere Geschichte · MDR-Forschung

Jörg Reich

Warum wir uns engagieren.

Persönliche Schicksale erinnern uns daran, wie schwer Infektionen mit multiresistenten Erregern Menschen und ihre Familien treffen können – und warum Forschung, Aufklärung und Patientensicherheit so wichtig sind.

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Persönliche Erfahrungen

Ein Freund, ein Mentor – und unser Vater

Der Kanzleigründer, mein Freund und Mentor, war für viele ein verlässlicher Ratgeber – ein Mensch mit Erfahrung, Ruhe und Herz. Sein Tod hat uns gezeigt, wie schnell eine Infektion vor dem Hintergrund chronischer Erkrankungen zur Lebensgefahr werden kann und wie kostbar jede Stunde ist, in der noch geholfen werden kann.

Er litt seit Jahren an Diabetes und an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Beide Erkrankungen bedeuteten häufige Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte und einen ständigen Kontakt mit medizinischen Maßnahmen. Nach einer Lungenpunktion trat eine Infektion mit multiresistenten Keimen auf. Trotz intensivmedizinischer Behandlung und trotz aller Anstrengungen der Behandelnden war die Infektion nicht mehr beherrschbar. Er verstarb.

Auch unser Vater hat über Jahre mit Blasenkrebs gelebt. Die Erkrankung und die notwendigen Untersuchungen und Behandlungen – insbesondere der Einsatz von Kathetern – führten immer wieder zu Blasenentzündungen. Dreimal überlebte er eine Sepsis. Doch irgendwann wirkten auch die Standardantibiotika nicht mehr ausreichend.

Diese Erfahrungen sind kein Einzelfall. Für uns sind sie ein Aufruf zur Wachsamkeit und zum Handeln.

Hintergrund

Warum Menschen mit chronischen Erkrankungen besonders gefährdet sind

Menschen mit Diabetes, COPD, Krebserkrankungen, einem geschwächten Immunsystem oder häufigen Krankenhausaufenthalten können ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen tragen. Auch invasive Maßnahmen – etwa Katheter, Infusionen, Operationen oder Punktionen – können Eintrittspforten für Erreger schaffen.

Multiresistente Erreger sind Bakterien, gegen die mehrere übliche Antibiotika nicht mehr wirksam sind. Gerade in medizinischen Einrichtungen können sie eine besondere Herausforderung darstellen. Wenn sie Infektionen verursachen, sind diese häufig schwieriger zu behandeln und können den Krankheitsverlauf erheblich verschlechtern.

Eine Sepsis ist ein medizinischer Notfall. Sie entsteht, wenn der Körper auf eine Infektion mit einer lebensbedrohlichen Fehlreaktion antwortet und dadurch Organe geschädigt werden können. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen.

Erkenntnisse und Verantwortung

Was uns dieser Verlust lehrt

Die verbleibende Zeit nach einer schweren Infektion kann kostbar und knapp sein. Oft sind Früherkennung, schnelle Diagnostik, konsequente Hygiene und gezielte Behandlung entscheidend dafür, ob Betroffenen noch geholfen werden kann. Krankenhausinfektionen können mit erhöhter Sterblichkeit, längeren Aufenthalten und großen Belastungen verbunden sein; bei multiresistenten Erregern kann die Behandlung besonders komplex werden.

Was Patienten und Angehörige wissen sollten

  • Häufige Klinikkontakte, Diabetes, COPD, Krebs und Katheter können das Infektionsrisiko erhöhen.
  • Konsequente Händehygiene vor und nach dem Kontakt mit Patienten, Kathetern, Wunden oder medizinischen Geräten ist besonders wichtig.
  • Bei Fieber, Verwirrtheit, Atemnot, Schüttelfrost, starkem Krankheitsgefühl oder einer raschen Verschlechterung ist umgehend medizinische Hilfe nötig.
  • Patienten und Angehörige dürfen und sollen nach Erregern, Resistenzen, Hygienemaßnahmen und dem Behandlungsplan fragen.

Aufklärung ist keine Nebensache. Sie kann dazu beitragen, Risiken früher zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.

Unser Anliegen

Unsere Aufgabe als Patientenverein

Wir setzen uns dafür ein, dass Informationen über Infektionsrisiken, multiresistente Keime, Sepsis und Patientensicherheit verständlich und niedrigschwellig zugänglich sind. Betroffene und Angehörige brauchen nicht nur medizinische Fachbegriffe, sondern vor allem klare Antworten: Worauf muss ich achten? Wann muss ich handeln? Wen kann ich fragen?

MDR-Forschung möchte den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen, medizinischen Fachkräften und Wissenschaft fördern – und Forschungsansätze unterstützen, die neue Wege zur Prävention, Behandlung und Dekolonisierung eröffnen.

Gemeinsam Wissen teilen und Forschung stärken.

Unsere Erfahrungen sind der Antrieb, uns für bessere Informationen, wissenschaftliche Zusammenarbeit und neue Behandlungsperspektiven einzusetzen.